Diagnose & Therapie

Schweres Asthma verstehen: Wenn die Standardtherapie nicht mehr reicht

Dr. med. Lisa Köhler18. Januar 20256 Min. Lesezeit

Was bedeutet „schweres Asthma“?

Asthma ist nicht gleich Asthma. Während die meisten Betroffenen ihre Erkrankung mit inhalativen Kortikosteroiden (ICS) und langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA) gut in den Griff bekommen, gibt es eine Gruppe von Patient:innen, bei denen selbst hohe Dosen dieser Standardmedikamente nicht ausreichen. Diese Form wird als schweres Asthma bezeichnet und betrifft etwa 5–10 % aller Asthma-Patient:innen.

Die GINA-Stufen: Wo stehst du?

Die Global Initiative for Asthma (GINA) teilt die Behandlung in fünf Stufen ein. Schweres Asthma liegt vor, wenn Patient:innen trotz Therapie auf Stufe 4 oder 5 weiterhin Symptome haben oder häufige Exazerbationen erleben. Wichtig: Bevor die Diagnose „schweres Asthma“ gestellt wird, müssen andere Faktoren ausgeschlossen werden — etwa eine falsche Inhalationstechnik, mangelnde Therapietreue oder Begleiterkrankungen wie Reflux oder Nasenpolypen.

Typische Anzeichen für schweres Asthma

  • Du brauchst häufig dein Notfallspray (mehr als 2-mal pro Woche)
  • Du wachst nachts wegen Atemnot auf
  • Du hattest in den letzten 12 Monaten mindestens eine schwere Verschlechterung (Exazerbation)
  • Deine Lungenfunktion bleibt trotz regelmäßiger Therapie eingeschränkt
  • Du vermeidest körperliche Aktivität aus Angst vor Atemnot

Phänotypen: Nicht jedes schwere Asthma ist gleich

Schweres Asthma wird heute in verschiedene Phänotypen unterteilt, also Unterformen, die sich in ihren Ursachen und ihrem Ansprechen auf Therapien unterscheiden. Der häufigste Typ ist das eosinophile Asthma (Typ-2-Entzündung), bei dem bestimmte Immunzellen — die Eosinophilen — eine überschießende Entzündungsreaktion in den Atemwegen auslösen. Daneben gibt es das allergische Asthma, das durch IgE-vermittelte Reaktionen ausgelöst wird, sowie seltenere nicht-eosinophile Formen.

Biologika: Zielgerichtete Therapie bei schwerem Asthma

Für Patient:innen mit schwerem Asthma stehen seit einigen Jahren sogenannte Biologika zur Verfügung. Diese biotechnologisch hergestellten Antikörper greifen gezielt in die Entzündungskaskade ein. Je nach Phänotyp kommen unterschiedliche Wirkstoffe in Frage:

  • Anti-IgE-Antikörper (z. B. Omalizumab) bei allergischem Asthma
  • Anti-IL-5-Antikörper (z. B. Mepolizumab, Benralizumab) bei eosinophilem Asthma
  • Anti-IL-4/IL-13-Antikörper (z. B. Dupilumab) bei Typ-2-Entzündung
  • Anti-TSLP-Antikörper (z. B. Tezepelumab) als breiter Ansatz

Biologika können die Häufigkeit von Exazerbationen deutlich reduzieren, die Lungenfunktion verbessern und den Bedarf an oralem Kortison senken. Sie werden in der Regel alle 2–8 Wochen als Injektion verabreicht.

Wann zum Spezialisten?

Wenn du trotz regelmäßiger Therapie weiterhin unter Symptomen leidest, solltest du dich an eine pneumologische Facharztpraxis oder ein Asthma-Zentrum überweisen lassen. Dort kann eine erweiterte Diagnostik erfolgen — einschließlich FeNO-Messung, Bluteosinophile und IgE-Bestimmung — um den richtigen Phänotyp zu bestimmen und die passende Therapie einzuleiten.

Schweres Asthma ist kein Schicksal. Mit der richtigen Diagnostik und modernen Therapien lässt sich die Lebensqualität deutlich verbessern.

Fazit

Schweres Asthma ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die über die Standardtherapie hinausgeht. Moderne Biologika bieten neue Möglichkeiten, die Entzündung gezielt zu bekämpfen. Der erste Schritt: Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin über deine Symptome und frage nach einer spezialisierten Abklärung.

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