Der Angst-Asthma-Kreislauf
Asthma ist nicht nur eine Erkrankung der Atemwege — es beeinflusst auch die Psyche. Wer einmal erlebt hat, wie sich die Atemwege plötzlich verengen, kennt das Gefühl von Kontrollverlust und Panik. Diese Angst kann selbst zum Auslöser werden: Stress und Angst führen zu flacher, schneller Atmung, die wiederum die Bronchien reizt und Symptome verstärkt. So entsteht ein Teufelskreis, den viele Betroffene nur schwer durchbrechen können.
Psychische Belastung: Mehr als „nur“ Angst
Studien zeigen, dass Menschen mit schwerem Asthma ein deutlich erhöhtes Risiko für Angststörungen und Depressionen haben. Die ständige Unsicherheit, ob und wann der nächste Anfall kommt, kann zu einer dauerhaften Anspannung führen. Häufige psychische Begleiterscheinungen sind:
- Generalisierte Angst: Ein diffuses Gefühl von Sorge, das den Alltag durchdringt
- Panikattacken: Plötzliche, intensive Angstepisoden mit körperlichen Symptomen wie Herzrasen und Schwindel
- Sozialer Rückzug: Vermeidung von Situationen, die einen Anfall auslösen könnten — vom Sport bis zum Treffen mit Freunden
- Schlafstörungen: Angst vor nächtlicher Atemnot kann zu chronischer Schlaflosigkeit führen
- Niedergeschlagenheit: Das Gefühl, vom eigenen Körper im Stich gelassen zu werden
Achtsamkeit als Werkzeug
Achtsamkeitsbasierte Verfahren haben sich als wirksam erwiesen, um den Angst-Asthma-Kreislauf zu durchbrechen. Dabei geht es nicht darum, die Angst zu unterdrücken, sondern sie wahrzunehmen, ohne von ihr überwältigt zu werden.
Achtsamkeitsübungen für den Alltag
- Body Scan: Gehe gedanklich deinen Körper von Kopf bis Fuß durch. Spüre in jeden Bereich hinein, ohne zu bewerten. Diese Übung hilft, körperliche Anspannung frühzeitig zu erkennen.
- Atem-Meditation: Beobachte deinen Atem für 5–10 Minuten, ohne ihn zu verändern. Wenn deine Gedanken abschweifen, kehre sanft zurück zum Atem. Diese Übung trainiert die Fähigkeit, in stressigen Momenten ruhig zu bleiben.
- 5-4-3-2-1-Technik: Nenne 5 Dinge, die du siehst, 4 die du hörst, 3 die du fühlst, 2 die du riechst und 1 das du schmeckst. Diese Erdungstechnik kann bei akuter Angst helfen.
Wann professionelle Hilfe wichtig ist
Nicht jede Angst erfordert eine Therapie — aber wenn die Angst deinen Alltag deutlich einschränkt, du Aktivitäten vermeidest oder dich zunehmend zurückziehst, ist es Zeit, professionelle Unterstützung zu suchen. Geeignete Anlaufstellen sind:
- Psychologische Psychotherapeut:innen mit Erfahrung im Bereich chronischer Erkrankungen
- Verhaltenstherapie (KVT): Besonders wirksam bei Angststörungen und nachweislich hilfreich bei Asthma-Patient:innen
- Pneumologische Rehabilitation: Kombiniert medizinische Behandlung mit psychologischer Betreuung und Atemschule
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann entlastend wirken und das Gefühl der Isolation mindern
Was Angehörige tun können
Auch für Partner:innen, Familie und Freunde ist die Erkrankung belastend. Wichtig ist, die Angst des Betroffenen ernst zu nehmen, ohne sie zu verstärken. Sprüche wie „Atme einfach ruhig“ oder „So schlimm ist es doch nicht“ sind wenig hilfreich. Stattdessen: Zuhören, Verständnis zeigen und bei Bedarf ermutigen, professionelle Hilfe anzunehmen.
Die psychische Gesundheit ist ein fester Bestandteil der Asthmakontrolle. Wer Angst und Seele ernst nimmt, atmet freier.
Fazit
Asthma betrifft nicht nur die Lunge — es betrifft den ganzen Menschen. Die psychische Belastung ist real und behandelbar. Achtsamkeit, professionelle Unterstützung und ein offener Umgang mit den eigenen Gefühlen können dabei helfen, den Angst-Asthma-Kreislauf zu durchbrechen und mehr Lebensqualität zu gewinnen.